Brandmeldeanlagen in Pflegeeinrichtungen

Brandmeldeanlagen gehören zu den baurechtlich geforderten Anlagen und haben damit in der Sicherheitsausstattung einen besonderen Stellenwert. Der Vortrag von Maik Schneising zum Fachforum Gesundheitswesen beleuchtete die wesentlichen Aspekte unter dem Motto “Ist Sie wirklich sicher – Ihre Brandmeldeanlage”.

Lassen Sie sich überraschen, wie einfach die Umrüstung von älteren Brandmeldeanlagen ist.

Übersicht zum Thema

  • Wann ist die BMA nicht mehr sicher?
  • Was ist zu tun?
  • Welche Arten der Umrüstung unterscheiden wir?
  • Was sollten Sie bei der Umrüstung beachten?
  • Vorteile der Analogadressierung am Meldersockel
  • Wie rüsten Sie am kostengüstigsten um?

Wann ist die Brandmeldeanlage nicht mehr sicher?

Gründe warum Brandmeldeanlagen nicht mehr sicher sind:

  • Anlage ist in Störung weil keine Ersatzteile mehr lieferbar sind. Die Anlage ist abgekündigt.
  • Die Brandmeldeanlage wurde nach Dezember 2006 in Betrieb genommen und wurde mit Meldern ohne Verschmutzungskompensation errichtet.
  • Es sind Automatische Melder mit integriertem CO Sensor installiert und älter als 5 Jahre.
  • Die BMA entspricht nicht mehr den aktuellen Richtlinien.
  • Die Nutzung der Räume hat sich geändert oder es sind zusätzliche Räume dazugekommen.
  • Der Sollzustand wird nicht mehr überprüft (fehlende Wartung).

Die Brandmeldeanlage ist in Störung weil keine Ersatzteile mehr lieferbar sind – die Anlage ist abgekündigt

Das betrifft größtenteils alte Brandmeldeanlagen in Grenzwerttechnik. Aber auch verschiedene Brandmeldeanlagen in Ringbustechnik aus den 90-ger Jahren. Wie erkennen Sie abgekündigte BMA? Fragen Sie Ihren Instandhalter, falls er Sie nicht schon informiert hat. Oder Sie informieren sich beim Hersteller der Brandmeldeanlage.

Die Brandmeldeanlage wurde nach Dezember 2006 in Betrieb genommen und wurde mit Meldern ohne Verschmutzungskompensation errichtet

Gemäß DIN14675 müssen bei Brandmeldeanlagen, die nach Dezember 2006 in Betrieb genommen wurden, automatische Melder ohne Verschmutzungskompensation nach 5 Jahren getauscht werden. Melder mit Verschmutzungskompensation müssen nach 8 Jahren getauscht werden. Bei älteren Anlagen wird die gleiche Anwendung empfohlen. Für Brandmeldeanlagen in Grenzwerttechnik gelten 5 Jahre, für Ringbustechnik 8 Jahre.

Brandmeldeanlagen mit CO-Sensoren

Dieser Meldertyp ist zwingend alle 5 Jahre zu tauschen, da dann die Sensorik verschlissen ist. Das gilt für reine CO-Melder und Kombimelder mit CO-Sensor. Die Notwendigkeit zum Einsatz von CO-Meldern sollte daher überprüft werden und gegebenenfalls andere Meldertypen eingesetzt werden.

Die Brandmeldeanlage entspricht nicht mehr den aktuellen Richtlinien

Die Brandmeldeanlage ist nur als Fluchtwegüberwachung realisiert worden, inzwischen ist aber vollständige Überwachung gefordert. Auch das Alarmierungskonzept von Brandmeldeanlagen kann sich ändern. In Pflegeeinrichtungwn wird zunehmend eine stille Alarmierung über DECT oder Rufanlage gefordert. Die aktuellen Aufschaltbedingungen werden nicht mehr erfüllt (z.B. FAT fehlt). Das Objekt hat keine ständig besetzte Stelle mehr.
Die automatischen Melder entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik (z.B. Ionisationsrauchmelder). Oder der Prüfsachverständige hat z.B. aus Versicherungsgründen gewechselt und die Prüfanforderungen sind damit andere.

Die Nutzung der Räume hat sich geändert oder es sind zusätzliche Räume dazugekommen

Die Umnutzung von Räumen kann zur Anpassung von Brandmeldeanlagen führen. Wenn in einen Aufenthaltsraum eine Teeküche eingebaut wird, ist ein einfacher optischer Melder oft problematisch. Insbesondere die Erweiterung einer Einrichtung um zusätzliche Pflegezimmer führt zu einer Anpassung der Brandmeldeanlage. Unter Umständen muss die Brandmeldezentrale getauscht werden.

Der Sollzustand wird nicht mehr überprüft (fehlende Wartung)

Oft sind Betreiber mit der Wartungsfirma unzufrieden oder dieser existiert nicht mehr. Auch die Übernahme der Gebäudebetreuung durch eine Facility-Management-Unternehmen kann dazu führen, das Wartungen nicht mehr durchgeführt werden, um Kosten zu sparen. Hinweis: Brandmeldeanlagen müssen vierteljährlich eine Inspektion und einmal jährlich einer Wartung durch zertifiziertes Personal erhalten!

Sie haben festgestellt, dass Ihre Brandmeldeanlage nicht mehr sicher ist?

Was können Sie tun?

  • Eine Wartungsfirma beauftragen.
  • Die verschlissenen Melder austauschen lassen.
  • Die vorhandene Brandmeldeanlage umrüsten oder austauschen.
  • Nachfolgend erhalten Sie einige Informationen über die Umrüstung von Brandmeldeanlagen.

Melderaustausch bei Grenzwerttechnik

Grenzwertmelder der einzelnen Hersteller können beliebig getauscht werden. Grundsätzlich wird von dieser Form der Modernisierung jedoch abgeraten, da die BMA damit nicht die aktuellen Anforderungen erfüllt. ACHTUNG: Es werden keine einzelnen Melder übertragen und angezeigt. Damit auch keine Meldereinzelkennung auf DECT-Mobiltelefonen möglich.

  • keine intelligente Meldertechnologie
  • erneuter Meldertausch nach 5 Jahren
  • Erweiterungen nur sehr eingeschränkt möglich

Umbau in Stichanlage mit Meldereinzelkennung

Durch Einsatz von Isolatoren und Buskopplern in einer modernen Ringbusanlage können Grenzwertanlagen umgerüstet werden. Vielfach wird damit ein Kombinationsbetrieb Altbau/Neubau realisiert. HINWEIS: Meldereinzelkennung auf DECT-Mobiltelefonen ist damit möglich.

  • Diese Variante funktioniert nicht mit Brandmeldesystemen mit Softadressierung.
  • Keine Änderung des Leitungsnetzes notwenig
  • Erweiterungen mit Einschränkungen möglich
  • intelligente Meldertechnologie (einzeladressiert)
  • erneuter Meldertausch erst nach 8 Jahren

Umbau in Ringanlage mit Meldereinzelkennung

Oft einfach zu realisieren ist der Umbau in eine Ringanlage. Dazu werden die Enden zweier Stiche miteinander verbunden und damit eine Ringstruktur aufgebaut. HINWEIS: Meldereinzelkennung auf DECT-Mobiltelefonen ist damit möglich.

  • Sehr flexibel für Erweiterungen und Änderungen
  • Änderung des Leitungsnetzes notwendig

Umbau einer Ringbusanlage

Bestehende Ringbusanlagen, die nicht mehr erweiterbar oder abgekündigt sind, können jederzeit ausgetauscht werden, ohne dass an der Verkabelung etwas geändert werden muss.

Diese Variante kann mit allen Ringbus- Brandmeldesystemen realisiert werden.
Vorteil dieser Variante ist die höchste Ausfallsicherheit und die höhere Flexibilität bei Änderungen.

Erweiterung einer Ringbusanlage

Ringbusanlagen können recht einfach erweitert und ergänzt werden.

Der Tausch eines Melders (z.B. Optischer Melder gegen Thermomelder) ist meist problemlos möglich, außer bei Ringanlagen mit Softadressierung.

Ergänzung zusätzlicher Melder bei Stichtechnik nur innerhalb einer Meldergruppe möglich

Bei Ringtechnik sind Änderungen oder Erweiterungen um einzelne Melder möglich, aber bei Softadressierung relativ aufwendig (allerdings müssen die Leistungsgrenzen des Ringes berücksichtigt werden Ringstrom, Anzahl vorhandene Teilnehmer, Leitungslänge usw.).

Was sollten Sie bei der Umrüstung beachten?

  • Keine Modernisierung mit Grenzwertanlagen anbieten lassen
  • Keine Ringbusanlage mit Softadressierung verwenden
  • Auf hohen Ringstrom der Anlage achten (Stand der Technik sind 500 mA je Ring)
  • Ring- und netzwerkübergreifende Steuerung und Bedienung muss möglich sein
  • Kein geschlossenes Melderprotokoll!
  • Bei Kurzschluss oder Drahtbruch auf dem Ring muss der Ring unterbrechungsfrei weiter funktionieren.
  • Auf einfache Bedienung der Zentrale achten
  • Möglichst Melder mit Analogadressierung im Meldersockel verwenden!

Vorteile der Analogadressierung im Meldersockel

  • Die Adresse wird einmalig eingestellt und ist dann fest an die Decke geschraubt.
  • Vertauschungen durch Melderaustausch sind ausgeschlossen.
  • Einlernen eines neuen Melderkopfes an eine BMZ entfällt.
  • Inbetriebnahmezeiten verkürzen sich um ca. 90%!
  • Meldertausch ohne Abschaltung der Anlage oder Meldergruppe möglich!

Zusammenfassung

  • Tauschen Sie nicht Grenzwerttechnik gegen Grenzwerttechnik!
  • Verwenden Sie aktuelle Ringbustechnik mit offenem Protokoll!
  • Verwenden Sie keine Softadressierten Systeme!
  • Verwenden Sie modulare Systeme mit Netzwerkübergreifender Steuerung und Bedienung!
  • Achten Sie auf Melder mit Analogadressierung!
  • Bauen Sie Ringe mit max. 60-70 Teilnehmern auf um Reserven für Erweiterungen zu haben!
  • Lassen Sie sich vom Errichter Leasing oder Mietkauf anbieten!
  • Achten Sie auf ausfallsichere Ringalarmierung!
  • Achten Sie auf Kompatibilität zu anderen Systemen wie Schwesternruf-, ELA-Anlagen usw.!
  • Verwenden Sie CO-Melder nur in begründeten Ausnahmefällen!
  • Berücksichtigen Sie auch die Folgekosten Wartung, Service und Instandhaltung sowie Ersatzteilkosten!